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Konfliktmanagement – Aus der Semantik lernen

Konflikte sind nicht nur zeitraubend, Sie können auch Unternehmen, Projekte oder Familien gefährden. Das sollte Grund genug sein, sich mit dem Thema Konfliktmanagement einmal intensiver auseinanderzusetzen.

Mein ursprünglicher Plan war es, einen Beitrag über den Bezug der Evolutionstheorie, genauer gesagt der Reziproken Altruismus Theorie von Robert Trivers, zum Thema Konfliktmanagement zu schreiben. Dabei wurde mir wieder einmal klar, dass Konfliktmanagement eine derart komplexe Materie ist, dass jegliche Überlegung dazu fast zwangsläufig in weiteren Verzweigungen und Überlegungen mündet. Um dem gerecht zu werden, habe ich mich entschlossen anstatt eines einzelnen Beitrags eine ganze Reihe dazu ins Leben zu rufen.

Die Semantik des Konfliktes

Im Folgenden möchte ich einige Aspekte des Konfliktmanagements über den Weg einer kleinen semantischen Analyse herausarbeiten. Der große Nutzen semantischer Untersuchungen liegt darin, dass nicht bloß zweckmäßige Bedeutungen festgelegt und definiert werden, sondern dass auch andere mögliche Bedeutungen zu Tage kommen und so unser Horizont erweitert wird. In diesem ersten Beitrag werde ich daher mit einigen semantischen Überlegungen zum Thema einsteigen, welche nicht nur die Komplexität des gesamten Themas Konfliktmanagement klarmachen sollen, sondern auch die Komplexität jedes einzelnen Konfliktes. Dies halte ich aus dem Grunde für sinnvoll, dass es dazu anregt, in alltäglichen Konfliktsituationen intensiver über deren Natur nachzudenken und so zu einer reflektierten Lösungsfindung beiträgt.

Konfliktfähigkeit vs. Konfliktkompetenz

Konfliktfähigkeit bezeichnet die allgemeine Kompetenz im Umgang mit Konflikten. Sie umfasst sowohl die Fähigkeit unnötige Auseinandersetzungen zu vermeiden, als auch notwendige aufzunehmen und diese konstruktiv und lösungsorientiert zu führen. Die Lösung berücksichtigt dabei nicht nur den konkreten Konflikt, sondern auch die Rahmenbedingungen wie Beziehungs- und Wertgefüge. In der Alltagssprache wird das Wort Konfliktfähigkeit manchmal als die bloße Bereitschaft Konflikte auszutragen verstanden, also als Gegensatz zum Wort Konfliktscheue und damit deutlich verkürzt zur o.g. Definition.

Ich bevorzuge deshalb das Wort Konfliktkompetenz. Wir leben in einer Welt, in der verschiedene Individuen und Gruppen ihre jeweils eigenen Interessen haben, was meines Erachtens völlig natürlich und legitim ist. Konfliktkompetenz liegt nun darin die Interessen anderer anzuerkennen und nachzuvollziehen und unter Wahrung der eigenen Interessen einen für die beteiligten Parteien akzeptablen Weg zu finden, welcher den „Zielwert“ aller Parteien maximiert, ohne dabei eine Partei krass zu benachteiligen. Auch hier ist die Rahmenbedingung wieder die Berücksichtigung der vorhandenen Beziehungs- und Wertgefüge.

Die meisten Konflikte lassen sich – sehr vereinfacht gesagt – auf sachlicher Ebene auf einen Konflikt zwischen solchen Interessen herunterbrechen. Genauer gesagt auf einen wahrgenommenen Konflikt. Die Wahrnehmung ist nämlich der relevante Faktor. Hier kommt die Denkrichtung des Konstruktivismus ins Spiel, welche die Existenz einer absoluten Wirklichkeit, welche völlig unabhängig jeglicher Wahrnehmung ist, in Frage. Eine Betrachtung von Konflikten durch die Brille des Konstruktivismus ist sehr wertvoll für die Konfliktkompetenz, weshalb ich dazu demnächst einen eigenen Beitrag schreiben werde.

Konflikt vs. Auseinandersetzung vs. Konfrontation vs. Austragung

Das Wort Konflikt wird oft synonym zu anderen Worten wie „Auseinandersetzung“ oder „Konfrontation“ verwendet, was in manchen Fällen auch völlig unproblematisch ist. Für unsere Zwecke müssen wir dies aber weiter ausdifferenzieren. Das Vorliegen eines Konfliktes soll das grundsätzliche Vorliegen eines Interessen- oder Beziehungskonfliktes (mehr dazu gleich) bedeuten, ohne dass dieser zwangsläufig thematisiert oder ausgetragen wird, indem es zu einer Auseinandersetzung/ Konfrontation kommt. Er muss allerdings von mindestens einer Partei wahrgenommen werden, denn sonst würde er im o.g. Sinne des Konstruktivismus nicht vorliegen.

Spielen wir einmal gedanklich durch, was passieren kann, wenn ein Konflikt „vorliegt“:

  1. Der Konflikt wird von mindestens einer betroffenen Partei wahrgenommen.
  2. Eine oder mehrere Partei(en), welche den Konflikt wahrnimmt/ wahrnehmen, entscheidet sich dazu, sich über den Konflikt mit der/ den anderen betroffenen Partei(en) auseinanderzusetzen, d.h. es findet eine Kommunikation statt.

    Nun kommt das 2. Axiom der Kommunikationstheorie von Paul Watzlawick ins Spiel, welches besagt: “ Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist.“ Das heißt nichts anderes, als dass eine Auseinandersetzung auf Sachebene nur dann möglich ist, wenn die Beziehungsebene dies erlaubt!
  1. Jetzt wird es kompliziert, es könnte nämlich folgendes der Fall sein:
  • Es liegt ein Konflikt auf Sachebene vor (Interessenkonflikt) und kein Beziehungskonflikt. Eine Klärung auf Sachebene ist möglich und nötig.
  • Es liegt kein Konflikt auf Sachebene vor, aber ein Beziehungskonflikt. Eine Klärung auf Sachebene ist nicht möglich, es ist eine Auseinandersetzung auf Beziehungsebene notwendig.
  • Es liegt ein Konflikt auf Sachebene und auf Beziehungsebene vor. Gemäß Watzlawicks 2. Axiom muss zunächst eine Annäherung auf Beziehungsebene erfolgen, erst dann sollte die Sachebene bearbeitet werden.

Nochmal zur Erinnerung: Konflikt steht hier immer für einen wahrgenommenen Konflikt. Das Problem, was sich nun ergibt, ist, dass Konflikte unabhängig vom vorliegenden Fall meist als Konflikte auf Sachebene wahrgenommen werden. Dies führt entsprechend dazu, dass es zu einer Austragung und einem Klärungsversuch auf Sachebene kommt, was nur für einen der vorliegenden Fälle zweckmäßig ist.

Bei Schritt 2 hätte auch die Möglichkeit bestanden, dass sich die Wahrnehmende(n) Partei(en) gegen eine Auseinandersetzung entscheidet. Ein möglicher Grund dafür könnte ein sehr klares Machtverhältnis zwischen den Parteien sein. Ein anderer, dass eine Partei im Sinne der guten Beziehung auf die Wahrung des eigenen Interesses verzichtet. In beiden Fällen wird ein Konflikt auf Sachebene auf der Beziehungseben ausgetragen, was im Sinne mentaler Kontierung ironischerweise in beiden Fällen langfristig zu einem Konflikt auf Beziehungsebene führen kann.

Konfliktvermeidung vs. Konfliktscheue

Konfliktvermeidung wird oft mit Konfliktscheue synonym verwendet. Konflikte können aber auch aus taktischen Gründen vermieden oder aufgeschoben werden. Daher ist Konfliktscheue für ein ängstliches Vermeiden von Konflikten die treffendere Bezeichnung während Konfliktvermeidung für bewusst kalkulierendes Vermeiden passender scheint. Letzteres könnte sich z.B. so abspielen:

Eine Partei nimmt einen Vorteil für die eigenen Interessen wahr und leitet Maßnahmen dafür ein, dass eine benachteiligte Partei diesen vermeintlichen Vorteil nicht als unrechtmäßige Benachteiligung annimmt. Dabei sei an dieser Stelle außer Acht gelassen, ob diese Maßnahmen manipulativ oder fair und transparent intendiert sind (das ist ohnehin wieder eine Frage der Wahrnehmung) und ob die Maßnahme auf eine Änderung der Vorteilslage oder bloß der Wahrnehmung abzielt.

Was folgt auf die Semantik des Konfliktes?

Nun habe ich es irgendwie geschafft doch noch zu einem Ende zu kommen. Wem das zu viel Wortklauberei war, der kann sich auf die zukünftigen Beiträge dieser Reihe freuen, welche mehr „ans Eingemachte“ gehen. Behandelt werden unter anderem die Themen Konstruktivismus, Reziproke Altruismus Theorie und spieltheoretische Überlegungen zu „Good-“ und „Bad Strategies“ bei der Kooperation.

Beitragsbild: Ming Jun Tan/ Unsplash

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Ein kluger Beitrag, der nochmal verdeutlicht, dass Konflikte Zeit, Ruhe und ein wenig Distanz zur Sache brauchen, damit man sie auch lösen kann.

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